Köln in rot weiß

Mein Weg führt vorbei am historischen Rathaus. Seit langem bin ich schon nicht mehr hier gewesen. Der ganze Platz ist nun mit Bauzäunen, Absperrband und Löchern übersät. Eine Familie höre ich scherzhaft über Haushaltslöcher sprechen. Tatsächlich finden hier die Ausgrabungen der über 2000jährigen Stadtgeschichte Kölns statt.

Hier sind Archäologen fleißig am Werk, legen die Reste des römischen Statthalterpalastes frei, bewegen Unmengen an Erdmaterial durch die mittelalterlichen Keller des jüdischen Viertels und versuchen alte Mauern von relativ neuen zu unterscheiden. Einst muss hier eine prächtige Synagoge gestanden haben, bevor der gesamte Bereich im Jahre 1424 der Stadt Köln zufiel.


Nicht zu glauben. Vor zehn Jahren war ich das letzte Mal hier um eine Hochzeit zu feiern. Außer Frauen, Männern und Kindern in allen Ausführungen gab es wenig zu sehen auf dem Platze. Ein Halbrund, das nicht so recht in die Szenerie zu passen schien, Mauern und Treppen, aber kein Anzeichen dafür, das auf diesen archäologischen Reichtum schließen ließ. Und nun umringt von feiernden Hochzeitsgesellschaften, die sich auf dem Areal zwischen Rathauslaube und spanischem Bau verteilen, liegen die Überreste des größten mittelalterlichen jüdischen Viertels nördlich der Alpen.


Motorendröhnen reißt mich aus meiner Träumerei. Direkt vor mir hält ein Hammerschlitten in weiß. Ein Mann Mitte Fünfzig am Steuer, neben ihm seine umwerfende Tochter.

“Halteverbot”, bringe ich freundlich hervor. Doch der Herr, mich keines Blickes würdigend, grabscht seiner Tochter an den nur halb vom roten Kleid bedeckten Hintern, während beide zum Rathaus gehen. Rot das Kleid, weiß der Wagen. Die Farben des Kölner Wappens, fällt mir gerade auf. Sind bestimmt voll korrekte Leute.

“Pass gut drauf auf”, höre ich ihn sagen. Ich denke: Krasser Typ und bin mir sicher, er meint mich.


Kaum sind die beiden durch die Renaissancelaube im Rathaus verschwunden taucht auch schon eine Ordnunghüterin auf. Knöllchen vorprogrammiert.

“Sollte das Auto in 20 Minuten immer noch hier stehen, gibt`s noch einen Strafzettel drauf”, höre ich die Dame  in Blau sagen.

“Selbst schuld”, denke ich und gebe mich dem fröhlichen Schauspiel hin. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Menschen kommen und gehen, Baustellenfahrzeuge verrichten ihre Arbeit und Reinigungskräfte kehren den Platz zwischen den Hochzeiten.

Das Ratsturmgeläut spielt Stockhausen. Zwölf Schläge später sehe ich Mann und Tochter von einer Menschentraube umringt das Rathaus verlassen. Wie es aussieht, haben sich die Familienverhältnisse geändert. Beide tragen einen Ring am Finger. Ihr inniger Kuss verrät mir, dass es keine Blutsbande gibt. Ihr Rock ist hochgerutscht und bedeckt nunmehr nur noch ihre Taille. Sie kommen auf mich zu. Sein forschender Blick irritiert mich, doch bald erkenne auch ich den Grund seiner Aufregung. Der Wagen ist weg.

Selten habe ich solche Gefühlsausbrüche erlebt. Wild gestikulierend kommt er auf mich zu und fragt, ob ich etwas gesehen habe. Ich verneine.

Die Frau vom Ordnungsamt tritt hinzu. Wahrscheinlich hat sie auf diesen Augenblick gewartet.

“Ihr Wagen wurde abgeschleppt. Sie können ihn bei dieser Adresse abholen.”

"Das ist ja unerhört", höre ich ihn schreien. "So eine Frechheit. Wie ist ihr Name? Ich werde mich beim Amt beschweren. Parkverbot, dass ich nicht lache”.

Seine Frau steht ungeduldig daneben.

“Was machen wir denn jetzt?” bringt sie hervor. “Ich will hier weg!”

Das will ich auch und trolle mich. Im Vorübergehen sehe ich ein Schild an der Stelle, wo einst der Wagen stand.

In roter Farbe steht dort auf weißem Grund: “Baustellenausfahrt. Falschparker werden kostenpflichtig abgeschleppt.”

Zugegeben. Das Schild ist nicht schön, aber es hält, was es verspricht!


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Kommentare: 7
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