Köln in schwarz

Mein Tag war lang und selten öde. Es gibt Momente, in denen ich dieser Stadt am liebsten für immer den Rücken kehren würde. Vielleicht ist es aber genau das, was sie von mir will. Grübelnd ziehe ich weiter. Irgendwie ist sie ein Teil von mir geworden: unverzichtbar und doch, manchmal unerträglich. 

Die Philharmonie passierend stolpere ich über den Kurth-Hackenberg-Platz in Richtung Hauptbahnhof. Schon jetzt erdrückt mich der Lärm der Motoren. In der Passage unterhalb des Museum Ludwig wird es nahezu unerträglich. Wie im Wahn setze ich einen Fuß vor den anderen, bis endlich der Bahnhof in mein Blickfeld rückt. Einst muss es hier sehr schön gewesen sein. Ein prächtiger Bau inmitten der Innenstadt. Heute aber zeugt nichts mehr vom alten Glanz.

Der Alte Wartesaal schlummert im Eck zwischen Mythos und Moderne. Irgendwie schräg. Von außen sehe ich die eingedeckten Tische. Feines Porzellan, Glas und Kronleuchter täuschen den kurzsichtigen Betrachter. Dahinter Dunkelheit. Das Quietschen einfahrender Züge reißt mich aus meiner Träumerei und erinnert mich: ich muss zum Zug. Weg von hier, nur weg aus dieser Stadt. 

Die Anzeigetafel im Foyer verrät mir, dass Eile unangebracht ist. Ich gehe zum Ticketschalter. Kurz davor mein Ziel einzutippen höre ich jemanden drei Worte nuscheln:

"Wohin wollen Sie?" 

Ein Mann in schwarz sieht mich an. Das Ticket in seiner Hand sagt alles.

"Honrath" erwidere ich zögernd.

"Preisstufe drei. Normalerweise fünf Euro. Bei mir kriegen Sie das Ticket für drei."

Ich zögere nicht, krame die Münzen aus meiner Tasche und lasse sie, eine nach der anderen, in seine Hand fallen. Nur weg. Der Mann reicht mir noch das Ticket, bevor er im Einerlei der Masse verschwindet.

Die Stufen zum Gleis nehme ich wie in Trance. Mechanisch erfasst mein Blick die Uhr. Noch fünf Minuten. Um meine Hände zu wärmen, stecke ich sie in die Tasche. Etwas raschelt darin. Verwundert ziehe ich ein zusammengelegtes Blatt hervor. Es ist eine Zeichnung, die ich vor langer Zeit fertigte. Auf ihr ist die Bahnhofshalle zu erkennen. Leute auf den Gleisen, wartend, verstört. Durch die Gläser im Dach dringt die Silhouette des Doms. Er ist schön, geschmeidig, omnipräsent.

 

Der Zug hält vor meiner Nase. Ich steige ein, finde einen Platz am Fenster. Und dann geht es los. Fort, nur raus. Ich blicke zurück, sehe den Dom, das Rheinpanorama, die Hohenzollernbrücke. Mir wird es schwer ums Herz. Wann komme ich wieder. Morgen? Morgen schon.

Ich kann es kaum erwarten!

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